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“How far is art allowed to go?” – The Column

“How far is art allowed to go?” – The Column

mirjam dumont for victim magazine

written by sonja koppitz / Illustration by mirjam dumont

“How far is art allowed to go?” This is what many asked when shortly before the 25th anniversary of the fall of the Berlin Wall, a collective of artists removed 14 memorial crosses for those who lost their lives trying to scale it. The crosses were to be set up along the external border of the EU instead – to draw attention to the plight of today’s refugees.

While the intention is good, does it really justify the means? What would the next of kin of the victims of the wall have to say about this? Great idea?

“How far should art be allowed to go?” is something that I also asked myself in a 13-second-long YouTube video on the topic of ebola.  “EBOLAaaaaaa!” – with a long stretched-out “a” – is called out into the valley, against a mountain backdrop, by a dark-skinned man wearing lederhosen who then waits for an echo. What’s missing here is for someone to ask, “Who came up with – or invented – this?” Just like the commercial for the famous Swiss herbal sweets. It’s just that no one invented ebola. And no one has a cure.

Nevertheless, I sometimes catch myself breaking out into spontaneous laughter while watching this video. What have I done? Should we suppose that the insufferably smug Bob Geldof asked himself that when he came up with the idea to re-record his Band Aid classic “Do they know it’s Christmas?” for humanitarian ebola aid? Not likely.

What he said was, “Do your fucking job!” and directed this rant at politicians. Until they take charge, he must once again slip into the role of “savior of the world” and collect funds. Just like 30 years ago during the famine in Ethiopia. The Live Aid Trust has taken in over 250 million US dollars since1984. For this rehash of Band Aid you won’t have David Bowie, George Michael or Phil Collins singing but rather Chris Martin, Rita Ora and Ellie Goulding, among others. But maybe it would suffice to make a donation…just like that.

If that helps?! Thank you, Sir, for giving us food for thought! You’ve got us by the balls, Bob!

http://www.bandaid30.com/ Band Aid 1984 http://www.youtube.com/watch?v=Zc8TYsYb5i0

„Wie weit darf Kunst gehen?“ fragten sich viele Menschen, als ein Künstlerkollektiv in Berlin kurz vor dem 25-jährigen Jubiläum des Mauerfalls 14 Gedenkkreuze der Mauertoten entfernte, um sie an den Außengrenzen Europas wieder aufzustellen und auf die heutigen Flüchtlingsprobleme aufmerksam zu machen. Der Zweck ist klar gut. Aber heiligt er wirklich die Mittel? Was werden die angehörigen der Mauertoten dazu gesagt haben? Super Idee?

„Wie weit darf Kunst gehen?“, habe ich mich auch bei einem 13-sekündigen YouTube-Video zum Thema Ebola gefragt. „EBOLAaaaaaa!“ – mit langgezogenem „A“ – ruft ein dunkelhäutiger Mann in Lederhose vor einer Bergkulisse ins Tal und wartet auf das Echo. Fehlt nur noch die Nachfrage „Wer hat’s erfunden?“. Wie in der Werbung berühmter Schweizer Kräuterzuckerlis.Nur hat Ebola keiner erfunden. Und noch keiner geheilt.Trotzdem erwische ich mich, wie ich beim Schauen dieses Videos spontan lache. Was habe ich da gerade getan? Ob sich das auch der selbstgefällige Bob Geldof gefragt hat, als er auf die Idee kam seinen Band-Aid-Klassiker „Do they know it’s Christmas?“ für die Ebola-Hilfe neu aufzunehmen?

Sicher nicht. “Do your fucking job!” hat er gesagt und damit die Politiker gemeint. Bis es soweit ist, muss er mal wieder den Retter der Welt spielen und Geld eintreiben. Wie schon vor 30 Jahren bei der Hungerkatastrophe in Äthiopien. Über 250 Millionen US-Dollar hat der Live Aid Trust seit 1984 gesammelt. Bei der neusten Neuauflage singen nun nicht David Bowie, George Michael oder Phil Collins, sondern u.a. Chris Martin, Riat Ora und Ellie Goulding.

So weit so gut. Aber es ist auch eine deutsche Version geplant. Unter anderem mit Campino, Max Herre, Udo Lindenberg, Marteria, Ina Müller und Thees Uhlmann… Man stelle sich diese Mischung vor! Wie eine Tüte Haribo Colorado! Die Hälfte davon isst man nicht, weil Lakritze!

Punk-HipHop-Rock-Rap-Deutsch-Pop-Indie…oder was soll das werden? Thees Uhlmann bemerkte scherzhaft, es sei wohl der einzige Song bei dem Max Raabe zusammen mit Haftbefehl singt. Noch ist dieser Song nicht erschienen. Aber es klingt schon jetzt nach Fremdscham. Viele stöhnen: „Muss das sein? So ein Mist, wie peinlich“… Aber wenn doch die UNO höchstpersönlich bei Bob Geldof angerufen und ihn um Hilfe gebeten hat!? Insgesamt 27 Künstler haben zu-, aber auch einige abgesagt. Man munkelt, so manchem sei das zu cheesy, zu uncool. Man mag sich gar nicht vorstellen, dass die dann auch noch Deutsch singen! „Wissen die, dass Weihnachten ist?…schalalalala…“ Hilft das gegen Ebola? Müssen wir diese Lieder kaufen, um unsere Seele, unser schlechtes Gewissen durch schlechten Geschmack zu erleichtern? Noch ist der Song nicht fertig und doch reden alle über ungelegte Eier, unaufgenommene Songs.

Während Menschen sterben, denke ich darüber nach, wie weit Kunst gehen darf.Ich sage: So weit sie will. So lange es mich nicht vom Wesentlichen ablenkt! So lange es niemandem weh tut! (Außer den Ohren vielleicht). Für den guten Zweck sind wir gewillt so manch bitteren Beigeschmack zu ignorieren. Eine pietätlose Aktion. Einen schlechten Gag. Einen kitschigen Song. Wenn es nur hilft.

Aber vielleicht reicht es ja auch, einfach nur so zu spenden… Wenn es nur hilft! Danke Sir, für diesen Denkanstoß! Du hast uns an den Eiern, Bob!

http://www.bandaid30.com/ Band Aid 1984 http://www.youtube.com/watch?v=Zc8TYsYb5i0